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Zwölf Jahre bis Sub-90

Mein erster Halbmarathon 2012 in Saarbrücken. Mein Sub-90 in Barcelona 2024. Was dazwischen war.

Februar 2012, Saarbrücken

Ich war Studentin. Eine Freundin schleifte mich zum GO! Halbmarathon. Ich hatte noch nie länger als eine Stunde am Stück gelaufen. Im Ziel weinte ich vor Erschöpfung. Meine Zeit war über zwei Stunden, ich weiß sie nicht mehr genau. Ich war stolz, irgendwie.

Auf der Heimfahrt sagte ich: “Nie wieder.” Drei Tage später meldete ich mich für den nächsten an.

Februar 2024, Barcelona

Zwölf Jahre später. Mitja Marató Barcelona. 1:29:36. Sub-90. Platz 2 in der W35-Bestenliste des Württembergischen Leichtathletik-Verbands. Ich weinte wieder. Diesmal nicht vor Erschöpfung.

Was dazwischen war

Hunderte langweilige Trainingsläufe. Schlechte Wettkämpfe, wo ich dachte, ich höre auf. Gute Wettkämpfe, wo ich dachte, ich kann alles. Zwei Trainingsphasen, in denen ich verletzt war und drei Monate nicht laufen konnte. Eine Schwangerschaft. Eine Geburt. Eine Tochter, die mich neu erfinden musste.

Vor allem aber: Konsequenz. Drei- bis viermal die Woche laufen, auch in den Wochen, in denen es niemand kontrolliert hat. Aufstehen, auch wenn es niemand gemerkt hätte, wenn ich liegen geblieben wäre.

Erfolg im Ausdauersport ist Konsequenz, die langweilig genug ist, dass die meisten sie nicht durchhalten.

Was Sub-90 mir wirklich gegeben hat

Nicht den Stolz. Den hatte ich schon. Sondern den Beweis, dass meine Saarbrücker Anfänger-Version recht hatte: man kann sich entwickeln. Die Person, die du heute bist, ist nicht die, die du in zehn Jahren bist. Wenn du etwas konsequent machst.

Manchmal denke ich an die 24-Jährige, die nach ihrem ersten Halbmarathon weinend im Auto saß. Ich würde ihr gern sagen: Mach weiter. Es wird besser. Viel, viel besser. Und es lohnt sich.

Was als Nächstes

Sub-90 ist nicht das Ende. Nichts ist das Ende. Mein nächstes Ziel ist Lavaredo 120K in den Dolomiten. Eine Strecke, die acht Mal so lang ist wie mein erster Halbmarathon, mit 30 Stunden Cut-off. Wenn ich es schaffe, lache ich am Ende vielleicht wieder im Auto. Diesmal vielleicht aus den richtigen Gründen.

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