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Mama läuft – und das Kind?

“Wie machst du das alles?” – diese Frage höre ich am häufigsten. Hier ist die ehrlichste Antwort, die ich darauf habe.

Die kurze Version

Mit einer klaren Hierarchie und einer Familie, die mit mir an einem Strang zieht. Ohne diese beiden Dinge wäre nichts von dem, was ich hier mache, möglich. Wirklich nichts.

Die lange Version

Mein Kind kommt zuerst. Das ist nicht verhandelbar. Wenn meine Tochter krank ist, läuft niemand 30 Kilometer. Wenn sie nachts schlecht geträumt hat, steht morgens kein Wecker um vier. Wenn sie am Wochenende sagt, dass sie mit mir in den Wald will, dann gehen wir spazieren, nicht ich laufen.

Trotzdem laufe ich. Wie geht das zusammen? Indem ich die Stunden nehme, in denen sie nicht da ist oder schläft. Und das sind: morgens vor dem Aufstehen. Mittagspause. Abends, wenn sie schläft.

Ich nenne es nicht “Work-Life-Balance”. Ich nenne es Tetris.

Was es nicht ist

Es ist kein Heldentum. Es ist keine Superwoman-Geschichte. Ich bin nicht “alles gleichzeitig”. Wer das behauptet, lügt. Ich schaffe die meisten Tage gerade so. An manchen Tagen schaffe ich es nicht. An manchen Wochen habe ich das Gefühl, ich verliere überall ein bisschen.

Was ich nicht mache: jeden Tag einen 1,5-stündigen Lauf. Was ich nicht mache: am Wochenende zwölf Stunden ins Gebirge fahren, ohne dass die Familie mitkommt. Was ich nicht mache: meine Tochter wegen meines Sports ins Hintertreffen geraten lassen. Wenn das mal vorkommt, ist das Training falsch geplant.

Was es ist

Eine sehr ehrliche Verteilung der Zeit. Drei Stunden Sport am Tag sind nicht drin. Eineinhalb sind drin, wenn ich sie geschickt verteile.

Ein klares Gespräch mit meinem Mann. Wenn ich vier Wochen vor Lavaredo bin und einen 30-Kilometer-Trainingslauf am Samstag brauche, sage ich das. Er übernimmt das Frühstück, das Spielen, die Vormittagsplanung. Im Gegenzug übernehme ich, was er an seinen Tagen braucht.

Eine Tochter, die mich auf dem Trail sieht. Sie weiß, dass Mama läuft. Sie kennt die Stirnlampe, sie kennt die Trinkflaschen, sie kennt das Wort “Marathon”. Letzte Woche hat sie mir ihre eigene Laufstrecke gezeigt – einmal um den Garten, in voller Geschwindigkeit. Sie war stolz.

Was ich mir selbst sage

Eine Mutter, die etwas Eigenes hat, ist eine bessere Mutter. Nicht weil sie weniger Mutter ist, sondern weil sie zeigen kann, was es heißt, ein eigenes Ziel zu verfolgen. Was es heißt, früh aufzustehen für etwas, das nur einem selbst gehört. Was es heißt, einen Plan durchzuziehen, auch wenn es weh tut.

Ich will nicht, dass meine Tochter denkt, dass Frauen sich selbst aufgeben, wenn sie Mama werden. Ich will, dass sie sieht: Du darfst Mama sein UND. Du musst dich nicht entscheiden.

Ein Kind braucht keine perfekte Mutter. Es braucht eine, die zeigt, was Leidenschaft ist.

An dich, wenn du auch ein Kind hast und laufen willst

Es geht. Aber es geht anders, als du dachtest. Nicht jeden Tag, nicht gleichmäßig, nicht stressfrei. Lass dich nicht von Trainingsplänen einschüchtern, die für Menschen ohne Kinder geschrieben sind. Mach deinen eigenen.

Und das Wichtigste: Hab kein schlechtes Gewissen. Du bist eine bessere Mutter, wenn du läufst. Nicht trotzdem, sondern dadurch.

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